Narzisstisches Umfeld – Wege ins Glück

Wenn man sich in einem narzisstischen Umfeld befindet, dann möchte man sich vielleicht verändern. Weg von den Menschen und Gewohnheiten, die einfach nicht gut tun. Das ist oftmals nicht ganz so leicht wie man denkt, da man sich oftmals in lange manifestieren und „komischen Dynamiken“ befindet.
Was hemmt und was fördert, sich ausserhalb der Komfortzone in die glückliche Richtung zu entwickeln. Ich habe Punkte für Euch zusammengestellt. Dies ist ein Artikel zum Video mit vielen praktischen Beispielen u.a., den Link dazu findest Du am Ende des Artikels.

Wie beginnt Veränderung raus aus dem narzisstischen Umfeld?

Beginnen möchte ich mal mit dem Zitat „Life begins at the end of your comfort zone“ also: das Leben beginnt am Ende Deiner Komfortzone. Ich mag diesen Satz sehr, denn er ist gut und richtig wie ich finde. Warum ist eine Veränderung generell so schwer und noch schwer in einer narzisstischen Beziehung? Ein paar Worte dazu vorab:

Man muss drauf kommen um was es geht- schwer in dem gewohnten Umfeld. Es hat eventuell bei den Eltern bereits ein ungesunder Kreislauf begonnen, es folgten narzisstische Freunde und dann kam der narzisstische Partner.
Es war bzw. ist vielleicht noch einfach schwer dann darauf zu kommen und zu akzeptieren, das was nicht stimmt. Die Ursache zu finden, dass man immer so traurig ist oder bei manchen Menschen bzw. in manchen Situationen so komisch reagiert. Ist man aber soweit etwas verändern zu wollen, ist das erstmal schonmal klasse. Dafür schonmal ist schon einmal Lob für sich selbst fällig finde ich. Aber was hemmt und was hilft bei Veränderung? Ich habe Euch einpaar Punkte zusammengestellt. In meinem Video erläutere ich Euch die einzelnen Punkte detaillierter.



Narzisstisches Umfeld: Was HEMMMT, wenn man sich verändern möchte?

1.) Die „Dranhänger – Runterzieher“-Narzissten.
2.) Der eigene Lebensstil.
3.) Deine Ängste, Du als Dein größter Kritiker und die verdammte Hemmung.
4.) Die Bedenkenträger im Umfeld.

Was FÖRDERT eine Veränderung?

1.) Förderliche Freunde suchen, hemmende eliminieren. Freunde, Job und auch jegliche Art von Sachen, die Euch runterziehen, kritisch checken wenn notwenig eine Verabschiedung erwägen.
2.) Neues wagen und aussortieren (wie die Freunde)-
3.) Veränderungen erwägen step by step: Freunde, Job, Partner und weiteres Umfeld.
4.) Ziele setzen.

Was ist aus meiner Sicht noch wichtig und die Komfortzone erfolgreich zu verlassen?

Also ich denke dass kleine Pflaster bei großen Problemen nicht helfen werden. Wie Ihr vielleicht wisst bin ich Krankenschwester, ganz am Anfang meiner beruflichen Laufbahn und noch vor meinem Studium habe ich mal eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert. Im Krankenhaus wird auch erstmal alles durchgeschaut und dann entschieden was passiert. Was vielleicht erst einmal harmlos aussieht ist doch wesentlich grundlegender.
Anderes wirkt schlimmer als es ist. Eine Wunde zu stoppen und nicht zu operieren, wenn es notwendig ist das wird kurzzeitig Hilfe bringen aber langfristig wird diese aufplatzen und der Schaden ist dann eventuell noch größer, wäre sie gleich richtig versorgt worden. So ist es auch bei seelischen Wunden. Tiefe wunden sollten grundlegend von einem Profi angeschaut werden. Deswegen mein Rat: Sucht Euch das Maß an Hilfe das Ihr benötigt und achtet auf die entsprechende Qualität. 

Schaut Euch Eure Situation genau an

Das heißt für mich immer was geht bei Euch überhaupt was wollt und könnt ihr überhaupt zulassen.
Denn Veränderungen sind einfach nicht für jeden Menschen in gleicher Form möglich wie für andere – denn es bedeutet viele ungemütliche Gefühle, Situation und viel unvorhergesehenem. Ich sage Euch ja immer dass ich es so sehe, dass die Chancen riesig sind und man die Angst vor dem Unbekannten verlieren sollte. Denn ihr habt nur dieses eine Leben. Wenn ihr schon die unschöne Situation hattet Eure Kindheit, Jugend und die Zeit danach in einem komischen Umfeld zu leben – wird’s dann nicht Zeit was zu verändern?
Ich persönlich finde es kein Geschenk als so etwas zu erleben wie auch die oft fundermentalen Auswirkungen auf sich selbst. Denn wer hätte es nicht gerne anders gehabt? Liebevolle Eltern, klasse Freunde und ein verlässlicher Partner? Ich glaube jeder der in diesen Dynamiken gewesen ist .
 Das wird auch Teil sein, es zu betrauern aber es zu akzeptieren, also umarmen kann ich sowas nicht – und dann auf in eine andere Richtung.

Am Ende entscheidet ihr – aber seid ehrlich. Wenn ihr Euch für den Weg der Komforts entscheidet dann ist das Eure Entscheidung. Übernehmt Verantwortung. Der Preis dafür ist dann vielleicht ein Leben mit viel „hätte, wäre und könnte“ aber das ist und bleibt Eure Entscheidung.


Angst im Nacken: Muskelverspannungen, Angstzustände & Panikattacken

Angst im Nacken: Muskelverspannungen, Angstzustände & Panikattacken

Muskelverspannungen durch Angstzustände & Panikattacken?

verspannter Nacken und Schultern können Angst vor der nächsten Panikattacke auslösen

Ich bin keine Medizinerin, aber hatte mehrfach Angstzustände mit Panikattacken und weiß deshalb: Ja, das funktioniert beides sehr gut. Ich hatte monatelang, sogar noch über meine Panikstörung hinaus, Angst, durch meine Muskelverspannungen im Hals- und Nackenbereich eine Panikattacke zu bekommen. Und anfangs war diese Angst dermaßen präsent, dass ich teilweise nur beim Bewegen meines Halses eine Panikattacke hatte. Selbst wenn diese ausblieb, war es eine Angstattacke – nur eben ohne Panik-Fluchtreaktion.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich besonders beim Fahrradfahren (also draußen = Horror!) stets im wahrsten Sinne des Wortes “Angst im Nacken” hatte. Angst äußert sich ja im gesamten Körper als Stressreaktion. Es knackte im Bereich rund um meinen Hals herum unentwegt, wann immer ich ihn bewegte. Es fühlte sich an, als würde jemand konstant versuchen, mir meinen Kopf wieder zurechzubiegen – oder abzureißen. Egal wie, dass ich meine offensichtlichen Blockaden in den Muskelgruppen nicht wegrenken konnte, machte mir noch mehr Angst – und rief die Angst vor der nächsten Panikattacke auf den Plan.

Als ich einmal noch mitten in meiner Panikstörung im Flugzeug saß, waren diese Beschwerden so vehement, dass ich fast zwei Stunden lang weinend ausharren musste.

Falls dich diese Beschwerden auch betreffen, möchte ich dir deshalb aus heutiger Sicht einige Aspekte mitgeben, die dir helfen könnten, Abhilfe zu schaffen.

Was bei Muskelbeschwerden im Hals-/Schulterbereich und Angst- bzw. Panikattacken helfen kann

Der Ganz zum Arzt oder Physiotherapeuten kann genauso wie Sport zu Hause oder das Vermeiden von langem Sitzen gegen angstauslösende Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich helfen.

Viele – wenn nicht sogar fast alle – Betroffenen von Angst- und Panikstörungen sind ans Haus bzw. ihre Wohnung gebunden. Vielleicht rennt man mal in die Küche oder steht vom Sofa auf, um ins Bad zu gehen, saugt ab oder wischt den Boden. Aber summa summarum sind die Wege, die man zurücklegt, doch eher gering. Auch die wenigen Male, die man sich nach draußen traut, werden selten ausreichen, um die empfohlenen Bewegungseinheiten von 2,5 Stunden/Woche als Erwachsener zu erreichen (Empfehlung laut WHO). Alles darunter fällt in den Bereich der mangelnden Bewegung und eben diese begünstigt u. a. Muskelverspannungen.

Je mehr ich saß, desto schlimmer wurden meine.

Es ist unerlässlich, selbst wenn man sich kaum nach draußen bewegen kann, so viel Sport zu Hause zu machen, wie möglich. Die entsprechenden Muskeln müssen gestärkt werden. Und es gibt mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, von zu Hause aus Sport als Liveklassen oder aufgezeichnete Klassen mitzumachen (Gymondo, YouTuber und ihre Klassen … Ich nutze Yogaia.)*. Denn Sport wirkt bei Angst und Panik kleine Wunder.

Ich habe viel Yoga gegen meine Beschwerden gemacht (besonders Sonnengrüße), aber auch einzelne Bewegungen halfen mir (“in den Himmel gucken” bzw. in diesem Falle “an die Decke”, auf die Terrasse/den Balkon zu gehen, und dort nach oben zu schauen).

“Nimm eine andere Position ein, als die sitzende, in der die Schultern und der Kopf hängen. Allein diese Sitzhaltung erinnert an einen traurigen Menschen (gekrümmte, nach vorn zeigende Schultern und gesenkter Kopf). Sie begünstigt Angst und Traurigkeit”, sagte mir einst ein Kollege, der im Bereich Psychotherapie tätig ist.

Selbst beim Fahrradfahren wäre es besser, kein Mountainbike, wo der Nacken eingeknickt ist beim Fahren, sondern ein City Bike zu verwenden, wo er gerade gehalten werden kann, stellte ich früher fest. Sitzen zu Hause ist aber in jedem Fall kontraproduktiv.

Was ich auch noch verwendete, waren Wärmesalben aus der Apotheke und Pferdebalsam (der erst kühlt und dann wärmt), wenn alle Stricke rissen. Ich bin mir unsicher, ob man diese immer bedenkenlos anwenden kann, aber möchte es der Vollständigkeit halber mit erwähnen. Bitte besprich dich in diesem Falle mit einem Arzt deines Vertrauens.

Eine meiner Freundinnen ist Physiotherapeutin. Ich hatte mich früher oft mit ihr darüber unterhalten und weiß daher, dass Physiotherapie eine gutes Behandlungsfeld gegen diese Beschwerden darstellt. Wer den Weg dorthin über sich bringt, wird zielführende Übungen an die Hand bekommen, die zusätzlich helfen, die Angst zu vermindern, und gleichzeitig gegen die Muskelverspannungen wirken.

Dieser kurze Blogpost entstand aufgrund einer eingesandten Frage von einer meiner Leserinnen. Danke für diese Anregung!

*Wegen aktueller Rechtssprechungen muss ich diese als Werbung kennzeichnen, bezahlter oder unbezahlter Natur, da sich Geschäftsbeziehungen durch meine Nennung anbahnen könnten. In diesem Falle: unbezahlte Werbung.

Gefühle steuern lernen – so geht’s!

Können wir Gefühle steuern und kontrollieren? Wie wir unsere Empfindungen für andere Menschen beeinflussen können…

Gefühle steuern: So können wir unsere Empfindungen für andere besser kontrollieren

Ist die Liebe eine Naturgewalt? Oder können wir unsere Gefühle sehr wohl beeinflussen? Die Buchautorin und Impulsgeberin Vivian Dittmar kann erklären, wie Gefühle entstehen und wie Menschen sie in eine gewünschte Richtung lenken können.

emotion.de: Frau Dittmar, glauben Sie, Anziehungskraft lässt sich steuern?

Vivian Dittmar: Ja, Anziehungskraft lässt sich steuern, wenn auch nicht unmittelbar. Ob wir einen Menschen anziehend finden oder nicht, hat viel mit den Bildern, Sehnsüchten und ungelebten Anteilen zu tun, die jeder von uns in den Tiefen seiner Psyche mit sich herumträgt. Verändert sich unsere eigene Beziehung zu diesen unbewussten oder halbbewussten Anteilen, verändert sich auch unsere Anziehungskraft.

Sind Gefühle rational zu erklären? Stichwort: Romantik!

Zunächst einmal ist es wichtig, den Begriff „Gefühl“ differenziert zu betrachten, denn: Nicht alles, was der Mensch fühlt, ist ein Gefühl. Viele Empfindungen, die wir gemeinhin als Gefühl bezeichnen, sind streng genommen biologische Programmierungen – eben auch die berühmte Verliebtheit. Das ist deshalb wichtig, weil Gefühle und biologische Programmierungen ganz unterschiedlich entstehen, verschiedene Funktionen haben und einen anderen Umgang erfordern. Anders als Gefühle entstehen biologische Programmierungen nicht durch Interpretationen, sondern werden direkt durch Reize ausgelöst. Das ist dann die berühmte „Liebe auf den ersten Blick“ – sie hat uns erwischt, bevor unser Verstand überhaupt mitbekommen hat, was los ist. Das bedeutet: Sogenannte romantische Gefühle sind zwar irrational, was jedoch nicht bedeutet, dass sie unlogisch sind.

Wie kann ein Gefühl zu einem Menschen entstehen?

Da kommt es sehr darauf an, von welchem Gefühl wir sprechen. Ob es uns wie die Verliebtheit erwischt oder nicht, hat viel mit dem berühmten „Beuteschema“ zu tun – also was mich persönlich anspringen lässt. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden, kann sich im Laufe des Lebens verändern und es kann auch mehrere Beuteschemata geben. Dieses Beuteschema ist ein Spiegel unserer Seelenwelt. Je unklarer, verschwommener und unterdrückter die Bilder unserer Seelenwelt sind, je mehr sie im Dunkeln liegen, desto verzerrter sind die Bilder, nach denen unser Beuteschema funktioniert. Das erklärt zum Beispiel, warum sehr unabhängige und selbstbestimmte Frauen oft die „falschen“ Männer aussuchen: Da oft der positive Bezug zu den eigenen verletzlichen, bedürftigen und damit auch wunderbar zarten Anteilen fehlt, suchen diese sich einen Weg in ein verzerrtes Beuteschema. Die so ausgewählten Männer bringen zwar die verborgenen Sehnsüchte nach Gehaltensein und Geborgenheit zum Schwingen, können sie jedoch nicht positiv erfüllen.

Gibt es unterschiedliche Wege, Gefühle für einen Menschen zu entwickeln?

Absolut. Viele Kulturen finden unsere Idee, dass romantische Anziehung eine gute Grundlage für Beziehungen bilden könnte, völlig absurd. In Kulturen, wo arrangierte Ehen üblich sind, setzt man viel mehr auf die Fähigkeit beider Partner, langfristig Liebe füreinander zu entwickeln. Das hat den Vorteil, dass die Erwartungshaltungen ganz andere sind, als wenn man sich im Rausch der Verliebtheit vor den Traualtar begibt. Natürlich soll das kein Plädoyer für arrangierte Ehen sein. Wir können jedoch daraus lernen, dass wir auch bei romantisch inspirierten Beziehungen über kurz oder lang nicht drum herum kommen, an unserer Liebesfähigkeit zu arbeiten. Der Hormonrausch klingt laut wissenschaftlichen Untersuchungen nach ca. 18 Monaten ab – und hier sprechen wir von den richtig heftigen Verliebtheiten.

Lassen sich Gefühle bewusst verstärken? Wenn ja, wie?

Unsere Gedanken sind die Schaltzentrale unserer Gefühle – vor allem jener Gefühle, die ich als soziale Kräfte bezeichne. Anders als die biologischen Programmierungen sind diese nicht primär unserem Fortpflanzungstrieb zuzuordnen, sondern sollen uns helfen, unsere Beziehungen zu regeln, und zwar nicht nur die privaten. Über meine Gedanken kann ich meine Wertschätzung für einen Menschen stärken, indem ich mir immer wieder seine positiven Seiten ins Bewusstsein rufe. Allzu oft vergessen wir das und nehmen die guten Seiten des Partners nach dem ersten Verliebtheitsrausch für selbstverständlich. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass glückliche Paare einander besser einschätzen als der Freundeskreis, während unglückliche Paare einander mehr kritisieren als ihr sonstiges Umfeld.

Können wir also bewusst entscheiden, was wir für einen Menschen empfinden?

Wir können unsere Empfindungen über unsere Gedanken und dadurch, worauf wir unsere Wahrnehmung lenken, steuern. Das gibt uns jedoch nicht die vollständige Kontrolle über unsere Empfindungen, da zu viele unbewusste oder sogar biologische Faktoren eine Rolle spielen.

Wann hat die Liebe in Ihren Augen keine Chance zu entstehen? Gibt es Ausschlusskriterien für positive Gefühle?

Ja, die gibt es. Liebe hat dann keine Chance, wenn es an Respekt fehlt. Bedingungsloser Respekt ist das Fundament einer gesunden Partnerschaft – und jeder anderen gesunden Beziehung. Besonders leicht tut die Liebe sich, wenn wir auf den Boden des Respekts noch einen schönen Teppich der Wertschätzung legen. Wertschätzung ist im Gegensatz zu Respekt nicht bedingungslos – hier geht es durchaus darum, zu artikulieren, was wir ganz persönlich am anderen wertschätzen, also was für uns wertvoll ist. Im Umkehrschluss werden positive Gefühle sehr erschwert, wenn es an Respekt und Wertschätzung fehlt.


vivian dittmar gefuehle steuern

Über Vivian Dittmar: Vivian Dittmar ist Autorin, Impulsgeberin und Expertin für Gefühle. Seit ihrem 22. Lebensjahr ist sie international tätig und stellt ihr Wissen in Seminaren, Ausbildungen, Artikeln und Einzelsitzungen zur Verfügung. Zusätzlich begleitet sie als Unternehmensberaterin Unternehmer und Führungskräfte in Wandlungsprozessen hin zu einer emotional und sozial kompetenten Kultur. Ihre Kindheit verbrachte Vivian Dittmar auf drei Kontinenten in Gefühle steuern und kontrollierensehr unterschiedlichen Kulturen. Das schärfte ihre Wahrnehmung für grundmenschliche Themen. Vivian Dittmar lebt mit ihrer Familie in Südtirol und Süddeutschland. Mehr zu Vivian Dittmar unter www.viviandittmar.net.

Gefühle steuern lernen – so geht’s!

Können wir Gefühle steuern und kontrollieren? Wie wir unsere Empfindungen für andere Menschen beeinflussen können…

Gefühle steuern: So können wir unsere Empfindungen für andere besser kontrollieren

Ist die Liebe eine Naturgewalt? Oder können wir unsere Gefühle sehr wohl beeinflussen? Die Buchautorin und Impulsgeberin Vivian Dittmar kann erklären, wie Gefühle entstehen und wie Menschen sie in eine gewünschte Richtung lenken können.

emotion.de: Frau Dittmar, glauben Sie, Anziehungskraft lässt sich steuern?

Vivian Dittmar: Ja, Anziehungskraft lässt sich steuern, wenn auch nicht unmittelbar. Ob wir einen Menschen anziehend finden oder nicht, hat viel mit den Bildern, Sehnsüchten und ungelebten Anteilen zu tun, die jeder von uns in den Tiefen seiner Psyche mit sich herumträgt. Verändert sich unsere eigene Beziehung zu diesen unbewussten oder halbbewussten Anteilen, verändert sich auch unsere Anziehungskraft.

Sind Gefühle rational zu erklären? Stichwort: Romantik!

Zunächst einmal ist es wichtig, den Begriff „Gefühl“ differenziert zu betrachten, denn: Nicht alles, was der Mensch fühlt, ist ein Gefühl. Viele Empfindungen, die wir gemeinhin als Gefühl bezeichnen, sind streng genommen biologische Programmierungen – eben auch die berühmte Verliebtheit. Das ist deshalb wichtig, weil Gefühle und biologische Programmierungen ganz unterschiedlich entstehen, verschiedene Funktionen haben und einen anderen Umgang erfordern. Anders als Gefühle entstehen biologische Programmierungen nicht durch Interpretationen, sondern werden direkt durch Reize ausgelöst. Das ist dann die berühmte „Liebe auf den ersten Blick“ – sie hat uns erwischt, bevor unser Verstand überhaupt mitbekommen hat, was los ist. Das bedeutet: Sogenannte romantische Gefühle sind zwar irrational, was jedoch nicht bedeutet, dass sie unlogisch sind.

Wie kann ein Gefühl zu einem Menschen entstehen?

Da kommt es sehr darauf an, von welchem Gefühl wir sprechen. Ob es uns wie die Verliebtheit erwischt oder nicht, hat viel mit dem berühmten „Beuteschema“ zu tun – also was mich persönlich anspringen lässt. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden, kann sich im Laufe des Lebens verändern und es kann auch mehrere Beuteschemata geben. Dieses Beuteschema ist ein Spiegel unserer Seelenwelt. Je unklarer, verschwommener und unterdrückter die Bilder unserer Seelenwelt sind, je mehr sie im Dunkeln liegen, desto verzerrter sind die Bilder, nach denen unser Beuteschema funktioniert. Das erklärt zum Beispiel, warum sehr unabhängige und selbstbestimmte Frauen oft die „falschen“ Männer aussuchen: Da oft der positive Bezug zu den eigenen verletzlichen, bedürftigen und damit auch wunderbar zarten Anteilen fehlt, suchen diese sich einen Weg in ein verzerrtes Beuteschema. Die so ausgewählten Männer bringen zwar die verborgenen Sehnsüchte nach Gehaltensein und Geborgenheit zum Schwingen, können sie jedoch nicht positiv erfüllen.

Gibt es unterschiedliche Wege, Gefühle für einen Menschen zu entwickeln?

Absolut. Viele Kulturen finden unsere Idee, dass romantische Anziehung eine gute Grundlage für Beziehungen bilden könnte, völlig absurd. In Kulturen, wo arrangierte Ehen üblich sind, setzt man viel mehr auf die Fähigkeit beider Partner, langfristig Liebe füreinander zu entwickeln. Das hat den Vorteil, dass die Erwartungshaltungen ganz andere sind, als wenn man sich im Rausch der Verliebtheit vor den Traualtar begibt. Natürlich soll das kein Plädoyer für arrangierte Ehen sein. Wir können jedoch daraus lernen, dass wir auch bei romantisch inspirierten Beziehungen über kurz oder lang nicht drum herum kommen, an unserer Liebesfähigkeit zu arbeiten. Der Hormonrausch klingt laut wissenschaftlichen Untersuchungen nach ca. 18 Monaten ab – und hier sprechen wir von den richtig heftigen Verliebtheiten.

Lassen sich Gefühle bewusst verstärken? Wenn ja, wie?

Unsere Gedanken sind die Schaltzentrale unserer Gefühle – vor allem jener Gefühle, die ich als soziale Kräfte bezeichne. Anders als die biologischen Programmierungen sind diese nicht primär unserem Fortpflanzungstrieb zuzuordnen, sondern sollen uns helfen, unsere Beziehungen zu regeln, und zwar nicht nur die privaten. Über meine Gedanken kann ich meine Wertschätzung für einen Menschen stärken, indem ich mir immer wieder seine positiven Seiten ins Bewusstsein rufe. Allzu oft vergessen wir das und nehmen die guten Seiten des Partners nach dem ersten Verliebtheitsrausch für selbstverständlich. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass glückliche Paare einander besser einschätzen als der Freundeskreis, während unglückliche Paare einander mehr kritisieren als ihr sonstiges Umfeld.

Können wir also bewusst entscheiden, was wir für einen Menschen empfinden?

Wir können unsere Empfindungen über unsere Gedanken und dadurch, worauf wir unsere Wahrnehmung lenken, steuern. Das gibt uns jedoch nicht die vollständige Kontrolle über unsere Empfindungen, da zu viele unbewusste oder sogar biologische Faktoren eine Rolle spielen.

Wann hat die Liebe in Ihren Augen keine Chance zu entstehen? Gibt es Ausschlusskriterien für positive Gefühle?

Ja, die gibt es. Liebe hat dann keine Chance, wenn es an Respekt fehlt. Bedingungsloser Respekt ist das Fundament einer gesunden Partnerschaft – und jeder anderen gesunden Beziehung. Besonders leicht tut die Liebe sich, wenn wir auf den Boden des Respekts noch einen schönen Teppich der Wertschätzung legen. Wertschätzung ist im Gegensatz zu Respekt nicht bedingungslos – hier geht es durchaus darum, zu artikulieren, was wir ganz persönlich am anderen wertschätzen, also was für uns wertvoll ist. Im Umkehrschluss werden positive Gefühle sehr erschwert, wenn es an Respekt und Wertschätzung fehlt.


vivian dittmar gefuehle steuern

Über Vivian Dittmar: Vivian Dittmar ist Autorin, Impulsgeberin und Expertin für Gefühle. Seit ihrem 22. Lebensjahr ist sie international tätig und stellt ihr Wissen in Seminaren, Ausbildungen, Artikeln und Einzelsitzungen zur Verfügung. Zusätzlich begleitet sie als Unternehmensberaterin Unternehmer und Führungskräfte in Wandlungsprozessen hin zu einer emotional und sozial kompetenten Kultur. Ihre Kindheit verbrachte Vivian Dittmar auf drei Kontinenten in Gefühle steuern und kontrollierensehr unterschiedlichen Kulturen. Das schärfte ihre Wahrnehmung für grundmenschliche Themen. Vivian Dittmar lebt mit ihrer Familie in Südtirol und Süddeutschland. Mehr zu Vivian Dittmar unter www.viviandittmar.net.